Es war Mittwoch morgen und ich hatte einen vollen Terminkalender für den Tag. Als ich das Treppenhaus runterging, plante ich schon hin und her. Doch bevor der Stress mich einholen konnte, machte ich eine Begegnung. Ich traf Reinecke Fuchs direkt vor meiner Haustür...
Reinecke Fuchs (Romantisch)
Ich scheine tatsächlich an dem Orte zu wohnen, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. Denn gestern morgen traf ich Reinecke Fuchs, den rot-silbrigen Gesellen mit den Bernsteinaugen, die im Lichte gleich einer Feuersbrunst glühten.
Langsam war ich aus dem Haus getreten und doch hatte mich schon wieder die Hektik ergriffen. Mein Kopf schlug Purzelbäume, als ein Rascheln mich aus den Gedanken riss. Zwischen dem Blattwerk der immergrünen Heckenmyrte erschien eine lange Nase und dann trat er vollends hervor, wie ein König, der seinen Hofstaat erwartete. Ein edler Blick, ein Moment von ehrfürchtigem Harren, so begrüßte er das flammende Sonnenrad und die Welt die es bescheinte.
Für einen Augenblick schauten wir uns an, er schien etwas zu erwarten und lief dann, verborgen im Gehölz an den Häusern, die Straße hinunter. Ich folgte seinen Schritten auf dem Bürgersteig. Plötzlich spürte ich kleine Steine in meinen Schuhen und blieb stehen um mich von diesem unangenehmen Schmerz zu befreien, da blickte ich erneut in sein Angesicht. Er schien auf mich zu warten. Mir war als sei er mir zum Gefährten auf dem morgendlichen Wege befohlen.
Seite an Seite liefen wir langsam der Stadt entgegen, die in der Ferne schon lärmte und rief: "Kommt in meine Arme ihr Kinder des Morgenrots! Kommt und schaut das Wunder des Erwachens!" Ein Tönen erhob sich und die Stadt atmete den letzten Schlafenden aus.
Kaum einer ward dem Wunder der Natur gewahr, denn viel zu beschäftigt ist das Leben mit sich selbst. Und jene die den prachtvollen Feuerdämon erblickten, sahen nur die Gefahr, doch nicht seine Schönheit. Mutig zeigte er ihnen seinen stolzen Blick und ließ sie wissen, das er sich nicht verteufeln ließ.
Als wir an eine Wegegabelung kamen, trennte sich unser Weg. Einen Augenblick blieb er noch stehen und schien mir Mut zuzusprechen. Dann schüttelte sein silberner Schweif die letzten Sterne der Nacht ab und er floh davon, als wäre er nie gewesen. Ich tauchte ein in das Meer der herbstlich bunten Ahornblätter. Ein letztes Mal zog ich die Morgenluft durch meine Lungen. Und dann verband ich mich mit dem pulsieren der Stadt, die mich schon erwartet hatte.
Ich musste noch lange an ihn denken...
(c)by Arcana Moon